Nespresso weist mit seinen durchgestylten Kaffeemaschinen eine ansprechende Produktpalette auf, die durch die charmante Bewerbung George Clooneys und den Nespressoclub eine zusätzliche Exklusivität erfährt. Trotz der hohen Preise für Kaffee, Espresso und Crema verkaufen sich Maschinen und Kapseln wunderbar. Kein Wunder, bei bisher fehlenden (Billig-)Alternativen. Nachdem das bisher gut gehütete Patent für den Herstellungsprozess der Nestle-Kapseln abgelaufen ist, hat jetzt der ehemalige Nespresso-Mitarbeiter Jean-Paul Gaillard Konkurrenz-Kapseln auf den Markt gebracht, die sich als günstige Variante der Original-Nespresso-Kapseln verstehen und durch Rewe vertrieben werden.
Wie ist es um die Qualität dieser Alternative bestellt? Entscheidend dafür dürfte der Geschmack der Kapseln sein. Diesen hat jetzt die Stiftung Warentest genauer unter die Lupe genommen, um festzustellen, ob ein Umstieg auf die Billigvariante lohnenswert ist. Dafür haben erfahrene Tester Original und Kopie in einem direkten Vergleich in die Tassen bekommen, ohne zu wissen, welcher Espresso von welchem Hersteller stammt. Die Verkoster stellten dabei fest, dass der Rewe-Espresso süßlicher und wässriger schmeckt. Auch ein Beigeschmack von feuchter Pappe fand sich dabei im Ergebnis der Tester. Weiterhin schmeckte der Espresso aus dem Supermarkt mehr nach Getreide als das Exklusivprodukt von Nestle. Dass die Crema des Rewe-Kaffees heller und dünner ist als der Nespresso-Schaum dürfte nur wenige Verbraucher stören, doch die offensichtlichen geschmacklichen Mängel zeugen nicht gerade von Qualität und ziehen somit im Vergleich zu den Original-Kapseln klar den Kürzeren. Ein weiteres Ärgernis ist die Form der Kapseln von Rewe. Sie sind teilweise nur mit Kraft einzusetzen, manchmal verklemmen sich die Kapseln auch in der Kaffeemaschine. Ob Verbraucher dabei eine Nespressomaschine von Krups oder DeLonghi haben, macht keinen Unterschied.
Die Kapseln von Jean-Paul Gaillard können qualitativ also nicht mit denen von Nestle konkurrieren. Manch Verbraucher mag jedoch nicht ein derartiger Kenner von Kaffee und Espresso sein, so dass dieser die Geschmacksdefizite unter Umständen selbst gar nicht erschmecken kann. So stellt sich sicherlich einigen Verbrauchern die Frage, ob sich die günstige Variante doch lohnt. Die Original-Tasse Espresso von Nestle kostet den Kaffeefreund ca. 35 Cent. Die günstige Variante von Rewe kommt auf einen Tassenpreis von 30 Cent. Die Preisdifferenz fällt also sehr gering aus und dürfte so nur wenige Kunden zu einem Kauf bewegen. Einzig und allein die Verfügbarkeit der Kapseln in den Rewemärkten könnte für viele ein Kaufargument darstellen, da nicht, wie bei Nespresso üblich, die Kapseln online bestellt oder in einem der in Deutschland rar gesäten Nespressoshops erworben werden müssen.
Erstellt am 22. März 2012 von Jan Schäfer



